Erfahrungsbericht von Dominik Kessler

Wer am Flughafen Zürich mit dem Bus vom Gate zum Flugzeug fährt, erlebt nur wenige Minuten eines komplexen Betriebs. Einen Tag lang durfte ich Mevi Kamberi begleiten. Seit neun Jahren arbeitet er dort als Buschauffeur, heute mit einem 50%-Pensum. Daneben führt er seine eigene Fahrschule und bildet in der Kategorie B aus.
Der Tag beginnt früh: Um 03:00 Uhr klingelt der Wecker, um 05:00 Uhr startet die Schicht. Als Besucher darf ich mich nur mit Besucherausweis und in Begleitung einer berechtigten Person im sicherheitskontrollierten Bereich des Flughafens bewegen. Vor der ersten Fahrt kontrollieren und reinigen wir den Bus. Kurz vor sechs folgt der erste Auftrag: Gate B06. Rund 60 Passagiere müssen zum Flugzeug.



Die Disposition schickt die Aufträge direkt an die Fahrzeuge. Einige Busse verfügen über ein PAD. Darüber lassen sich Einsätze bestätigen, Nachfolgebusse bestellen, Türen steuern oder Durchsagen auslösen. Letzteres kommt zum Beispiel vor, wenn das Flugzeug noch nicht bereit ist und die Passagiere deshalb etwas länger im Bus warten müssen.
Der Flugplatz ist riesig, und der Flughafen gleicht einer eigenen Stadt. Auf dem Vorfeld teilen sich Flugzeuge, Busse und zahlreiche Spezialfahrzeuge den Raum. Rund 90 Chauffeurinnen und Chauffeure arbeiten hier. Zur Flotte gehören 37 Busse und zwei kleinere Business-Busse auf Basis des Mercedes Sprinter.



Als Buschauffeur muss man Flugzeugbewegungen früh erkennen und vorausschauend handeln. Es gelten strenge Regeln im Bodenverkehr auf dem Flughafengelände. Geschwindigkeit und Verhalten werden kontrolliert. Verstösse können mit Punkten geahndet werden und im schlimmsten Fall sogar zu einem temporären oder permanenten Entzug des Flughafenausweises führen.
Für mich als Fahrlehrer ist auch die Ausbildung spannend. Zwei Fahrschulbusse stehen bereit, einer mit zusätzlicher Feststellbremse auf der Beifahrerseite. Früher genügte die Kategorie B, heute benötigen die Chauffeure die Kategorie C. Die Cobus L sind drei Meter breit und dürfen nicht auf öffentlichen Strassen verkehren. Ab 2027 sollen Elektrobusse eingesetzt werden.
Auch der Winterdienst beeindruckt: Riesige Räumungsfahrzeuge sorgen bei Schnee dafür, dass die Betriebsflächen schnell wieder frei werden.



Auch am Gate folgt jeder Einsatz klaren Abläufen. Während der Einsätze auf dem Vorfeld ist das Tragen der Leuchtweste obligatorisch. Nach dem Aussteigen wird der Bus auf liegen gebliebene Gegenstände kontrolliert. Der Chauffeur wartet, bis alle Passagiere auf der Treppe zum Flugzeug sind. Erst dann geht es weiter. Es sind viele Arbeitsschritte, die man als Passagier gar nicht wahrnimmt.



Mein Fazit
Für mich als Fahrlehrer war es spannend, einen Arbeitsplatz kennenzulernen, an dem die Anforderungen ans Busfahren komplett anders sind als im öffentlichen Strassenverkehr.
Der Flughafen Zürich ist wie eine kleine Stadt mit eigenen Strassen, Regeln und Fahrzeugen. Eindrücklich war für mich zu sehen, wie viel Aufmerksamkeit, Verantwortung und Organisation hinter einer kurzen Busfahrt steckt.
Ein grosses Dankeschön an Mevi Kamberi und alle Beteiligten für diesen spannenden Einblick.