Peter Schleuniger
Peter, du bist seit März 2023 in der Transportschule AG und seit Juni 2025 Bereichsleiter schwerer Bereich und Mitglied der GL bei der Transportschule. Was war für dich der entscheidende Moment, um nach vielen Jahren in führenden Rollen der Automobilbranche den Fokus konsequent auf Aus- und Weiterbildung zu legen?
Der entscheidende Moment kam, als mir bewusst wurde, wie stark Ausbildung das Sicherheitsgefühl eines Menschen verändern kann. Nach vielen Jahren in der Automobilbranche wollte ich etwas bewegen, das unmittelbare Wirkung hat. Besonders prägend war ein Lernender, der nach einer Winterfahrt sagte: „Jetzt fühle ich mich wirklich sicher.“ Dieser Satz hatte für mich mehr Bedeutung als manches grosse Projekt. Gleichzeitig war mir klar: Es geht nicht nur um die Ausbildung selbst, sondern auch darum, einen Bereich erfolgreich zu führen und das Unternehmen strategisch weiterzuentwickeln. In der GL kann ich meine Erfahrung aus der Automobilbranche einbringen – etwa in Prozessoptimierung, Digitalisierung und Markenführung – und so die Transportschule als Ganzes voranbringen. Für mich bedeutet das: Menschen befähigen, Qualität sichern und gleichzeitig Strukturen schaffen, die Wachstum und Innovation ermöglichen. Genau diese Kombination aus direkter Wirkung in der Ausbildung und unternehmerischer Verantwortung macht die Aufgabe für mich so spannend.
Du verantwortest operativ und strategisch alle sechs Standorte im schweren Bereich. Wie schaffst du es, über mehrere Teams hinweg einen gemeinsamen Qualitätsstandard zu verankern, ohne dass Tempo, Pragmatismus und Lernfreude verloren gehen?
Ein gemeinsamer Qualitätsstandard entsteht, wenn alle dieselbe Richtung spüren. Deshalb beginnen wir jede Lektion mit klaren Kernschritten: Fahrzeugcheck, Tagesziel und ein Sicherheitspunkt. Gleichzeitig lasse ich Raum für die individuellen Stärken der Ausbildenden. Unser monatlicher Austausch mit gegenseitigen Besuchen und offenem Feedback sorgt dafür, dass wir voneinander lernen und gute Ideen in die Organisation tragen. Darüber hinaus setzen wir auf „Führen mit Zahlen“: Ein KPI-Cockpit hilft uns, frühzeitig Trends zu erkennen – etwa bei Auslastung, Erfolgsquoten oder Feedbackqualität. Zahlen sind dabei kein Selbstzweck, sondern ein Steuerungsinstrument, um rechtzeitig gegenzusteuern und Ressourcen optimal einzusetzen. Wichtig ist: Zahlen zeigen den Weg, aber sie ersetzen nicht den persönlichen Austausch. Qualität entsteht erst, wenn Daten und Dialog zusammenwirken. Das Cockpit befindet sich aktuell im Aufbau und wird strategisch für 2026 ausgerichtet – mit immer mehr Kennzahlen, die künftig zusammengeführt werden. So verbinden wir Verlässlichkeit mit Leichtigkeit und echter Lernfreude.
Aus deiner Erfahrung in der Automobilbranche bei Premiummarken bringst du tiefes Wissen über exzellenten Kundenservice und Führung mit. Welche Prinzipien aus Aftersales und Kundenbetreuung lassen sich heute am besten für die Transportschule übertragen, um für Lernende, Firmenkunden und Partner ein erstklassiges, nachhaltiges Erlebnis zu schaffen?
Aus meiner Zeit im Customer Service habe ich drei zentrale Prinzipien übernommen: Ehrlich kommunizieren – Transparenz schafft Vertrauen. Erwartungen klar machen – alle sollen wissen, worauf sie sich verlassen können. Lösungen ohne Umwege finden – schnelle, unkomplizierte Hilfe ist entscheidend. Für Lernende bedeutet das: Pünktlichkeit, klare Abläufe und respektvoller Umgang, auch wenn etwas nicht ideal läuft. Für Firmenkunden: Verlässliche Prozesse und aktive Kommunikation. Für Partner: Offene Zusammenarbeit und schnelle Antworten. Mein Ziel ist, dass sich niemand verloren fühlt – weder bei der Anmeldung noch in der Prüfungsvorbereitung. Wenn alles ineinandergreift, entsteht ein rundes, angenehmes Erlebnis.
Du bist auch Dozent in der Fahrlehrerausbildung. Wo siehst du aktuell den grössten Hebel, um angehende Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer noch praxisorientierter und prüfungssicherer zu machen?
Der grösste Hebel liegt im praxisnahen Üben, bis die Abläufe sicher sitzen. Wir arbeiten mit klaren Beurteilungsbögen und konstruktivem Feedback, unterstützt durch kurze Video-Rückblicke. So erkennen Teilnehmende ihre Fortschritte und gewinnen Selbstvertrauen. Aus meiner Erfahrung weiss ich, wie entscheidend es ist, typische Prüfungssituationen frühzeitig zu simulieren. Deshalb integrieren wir reale Szenarien aus dem Alltag – vom komplexen Kreuzungsbereich bis zur Kommunikation mit Lernenden unter Stress. Ich habe selbst erlebt, wie ein gezieltes Coaching nach einer kritischen Situation den Unterschied macht: Wenn wir gemeinsam analysieren, warum eine Entscheidung getroffen wurde, entsteht echtes Verständnis. Das begleitete Unterrichten mit klaren Lernschritten gibt zusätzliche Sicherheit. Schritt für Schritt entsteht die Kompetenz und das Vertrauen, die für eine erfolgreiche Prüfung entscheidend sind. Ergänzend achten wir darauf, dass Theorie und Praxis eng verzahnt sind – denn Wissen allein reicht nicht, es muss im richtigen Moment abrufbar sein.
In früheren Mandaten hast du Digitalisierung und Rebranding mitverantwortet. Welche Transformationsschritte willst du im schweren Segment als Nächstes priorisieren, damit Prozesse schlanker werden und die Ausbildungsqualität gleichzeitig messbar steigt?
Mir ist wichtig, dass die Ausbildung nachvollziehbar bleibt und ihren Wert sichtbar macht. Die Lernplattform hilft uns enorm: Sie zeigt, welche Fähigkeiten gut verankert sind und wo wir weiter üben müssen. Das digitale Lernjournal reduziert den administrativen Aufwand – jede Fahrt, jedes Feedback und jeder Lernschritt ist dokumentiert. Als nächsten Schritt entwickeln wir die Begleithefte digital weiter: klar gegliedert, mit Fotos, Beispielen und Orientierungspunkten. Auch die Theorievorbereitung soll moderner werden, etwa durch eine App mit kurzen Lerneinheiten. Zusätzlich arbeiten wir daran, dass alle Seminare einen einheitlichen Auftritt haben – mit klaren Lernzielen, verständlichem Tagesablauf und strukturierten Unterlagen. So wird die Ausbildung übersichtlicher, motivierender und leichter verständlich.
Neben der Strasse bildest du auch Motorboot-Fahrende aus. Was hat dich das Unterrichten auf dem Wasser über Risikokompetenz, Ruhe und vorausschauendes Handeln gelehrt – und wie übersetzt du das konkret in die Ausbildung?
Das Unterrichten auf dem Wasser hat mir gezeigt, wie viel Ruhe entsteht, wenn man Risiken bewusst wahrnimmt, bevor sie zum Problem werden. Diese Denkweise übertrage ich auf den Verkehr: Wir starten jede Fahrt mit einer klaren Entscheidung und schaffen unterwegs bewusst Raum – gute Blickführung, grosse Pufferzonen, ruhige Kommunikation. Nach anspruchsvollen Fahrten reflektieren wir gemeinsam: Was lief gut? Was war heikel? Was ändern wir? In meinen Lektionen steuere ich gezielt mit vier zentralen Ressourcen: Tempo, Blick, Bedienung und Wissen. Tempo: Geschwindigkeit muss zur Situation passen. Blick: Der richtige Blick sorgt für Übersicht und vorausschauendes Fahren. Bedienung: Die Fahrzeugbedienung muss präzise erfolgen. Wissen: Verkehrsregeln sind die Basis für richtige Entscheidungen. Wenn eine dieser Ressourcen fehlt, entstehen Unsicherheiten. Deshalb trainieren wir alle vier Bausteine regelmässig, bis Kompetenz und Selbstvertrauen entstehen – für die Prüfung und den Alltag.